26.08.2013 / Junge Samoanerin von Wiechert’schen Erdbebenwarte Göttingen begeistert

Am Sonntag, dem 25. August 2013 besuchten 26 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer eines 4-wöchigen Trainingskurses des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam die Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen. Die jungen Menschen aus 23 Ländern zeigten sich begeistert von der Funktionstüchtigkeit und Genauigkeit der historischen seismischen Geräte wie auch von den modernen Messinstrumenten. Ein ganz besonderes Interesse hatte eine junge Samoanerin.

Zielstrebig steuerte Tessa Tofua beim Betreten des „Neuen Erdbebenhauses“ auf ein Buch zu, auf dem in großen Lettern „Samoa“ prangte. Im Ausstellungskatalog, der 2004 im Göttinger Arkana-Verlag mit historischen Fotografien des Naturwissenschaftlers Otto Tetens aus den Jahren 1902 bis 1905 erschien, deutete die junge Samoanerin auf einzelne Fotos: „Hier befindet sich zum Beispiel das Observatorium“ freut sich die junge Wissenschaftlerin. Tessa Tofua hatte auf diesen Termin gebrannt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Meteorologischen Abteilung des Ministerium für „Natural Resources & Environment“ in Milinuu, Samoa, hat Tessa eine Menge Fragen zu historischen Dokumenten, die in Deutsch oder Handschriften, die gar in Sütterlin verfasst wurden. Hintergrund: Tetens übernahm 1902 als junger Wissenschaftler den Auftrag der königlichen Gesellschaft der Universität Göttingen, auf Samoa das Apia Observatorium als Außenstelle der Wiechert’schen Erdbebenwarte zu errichten. Im Rahmen von Forschungen zu Wetter, Klima, Magnetismus und Seismik sollte dort von Deutschland ein Beitrag zu einer weltweiten Erkundung geleistet werden. Heute würde man dazu Umweltforschung sagen.

Diese Themen bildeten auch die Grundlage für den 4-wöchigen Trainingskurs, den die 26 Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer derzeit zum Thema „Seismologie und Bewertung der Erdbebengefährdung“ unter der Leitung von Dr. Claus Milkereit im GFZ Potsdam, Abteilung Erdbebenrisiko und Frühwarnung absolvieren. Die vierwöchigen Intensivkurse finden abwechselnd in Potsdam und als Regionalkurse im Ausland statt. Inhaltlich werden sowohl eine theoretische Grundausbildung als auch ein praktisches Training für Seismologen, Geologen und Ingenieure vermittelt. Der Besuch auf der Wiechert’schen Erdbebenwarte Göttingen fand auf Einladung ihres Vereinsvorsitzenden Wolfgang Brunk statt, der den jungen Menschen die Anlage auf dem Göttinger Hainberg in anschaulich unterhaltsamer Art erklärte. Höhepunkt bildete wie bei allen Führungen der Fall der vier Tonnen schweren Mintropkugel, die für frühere Forschungszwecke künstliche Erdbeben auslöste.

BU: Tessa Tafua mit dem Samoa Fotobuch aus dem Göttinger Arkana-Verlag, inmitten der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern vor der „Samoa-Hütte“ auf der Erdbebenwarte. Im Hintergund: Wolfgang Brunk von der Wiechert’schen Erdbebenwarte und Dr. Claus Milkereit, GFZ Potsdam. Foto: Wolfgang Beisert


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