"Bewegendes" aus Göttingen

kein Erdbeben, aber eine Detonation

Interpretation

Aufgrund der Übereinstimmung der seismischen Wirkungen beider Explosionen ist es sehr unwahrscheinlich, dass am 30.12.98 eine Gasexplosion als Energiequelle angenommen werden kann. Wenn eine Explosion, die eine ähnliche Wirkung im Fernfeld wie das Ereignis von 1992 in 7 m Tiefe hervorruft, in nur 2 m Tiefe im Bereich der Gasleitung stattfindet, dann sollten erheblich größere Verwüstungen an der Erdoberfläche hervorgerufen werden. Da jedoch nicht einmal die Fenster der benachbarten Gebäude zerstört worden waren, ist ein Explosionsherd in mehr als 2 m Tiefe anzunehmen. Der geologische Untergrund an beiden Explosionspunkten ist ebenfalls sehr ähnlich. Dort befindet sich jeweils aufgeschütteter Bauschutt auf den holozänen Flußablagerungen (Auelehm) des Leine Flusses (Nagel und Wunderlich, 1969). Deshalb deuten die vergleichbaren Sprengtrichter von 1992 und 1998 ebenfalls auf einen ähnlich tiefen Herd für beide Ereignisse hin (1992: etwa 7 m). Da sich in dieser Tiefe jedoch keine ausreichend großen Gasblase bilden kann, die auch noch gezündet werden müßte, ist eine Selbstentzündung einer tief eingedrungenen Fliegerbombe wahrscheinlicher. Dies wird auch dadurch gestützt, daß im betroffenen Gebiet alliierte Bombenabwürfe um den Bereich des Göttinger Bahnhofes stattgefunden haben. Einige der schweren Fliegerbomben (~ 500 kg) hätten durchaus tief in die Ablagerungen der Leine eindringen können. Das Fehlen von Bombensplittern nach der Detonation von 1998 kann vermutlich so gedeutet werden, daß die Detonation sogar unter der bisher beprobten Tiefe von 7 m stattfand. Bei der Suche nach weiteren Blindgängern, die zur Zeit (Februar 99) stattfindet, wird deshalb bis in 10 m Tiefe gebohrt.

Danksagung
W. Steinhoff (Göttingen) entdeckte die Registrierung der Explosionen am Wiechert­Seismograph und erstellte Kontaktabzüge der Rußregistrierungen. Dr. H. Schreiber (Göttingen) bestimmte die Eichkonstanten des Wiechert-Seismographen. Dr. G. Hartmann (BGR Hannover) überließ uns die Daten der GRSN­Station CLZ mit 80 Hz Abtastung. Zur Datenverarbeitung wurde das Programm Seismic­Handler von Dr. K Stammler (Erlangen) verwendet.